Die 3 Fragen, ohne die man mit Social Media gar nicht anfangen muss

Social Media für Companies ist leicht und kostet nichts: Man legt eine Facebookseite an, eine Agentur postet zwei mal die Woche Produktwerbung und einen lustigen Spruch am Freitag und der Praktikant antwortet was aus der Vorlagen-Excel, falls mal wer kommentiert. Dann verlässt der Praktikant den Betrieb und niemand antwortet mehr.

Für die Vorstandspräse reicht dieser Aufwand, denn allein durch die Facebook-Fakeaccounts, die die Seite und den ein oder anderen Beitrag liken, erhöht sich die Zahl der Fans und Follower kontinuierlich. Und mehr steht ja nicht auf der Folie als die brav steigende Zahl der Fans.

Lustig? Erstaunlich viele Firmen tun genau das und eventuell Ihre auch. Eine kleine Beschäftigungstherapie, günstig, Haken bei "man findet uns auch in sozialen Medien" ist grün, freilich auch komplett sinnlos. Wem das reicht, braucht hier nicht weiterlesen.

Für die anderen erkläre ich jetzt mal, welche drei Grundüberlegungen nötig sind, um schon im allerersten Schritt wesentlich besser abzuschneiden als die, die den Artikel eben verlassen haben.

1. Wen wollen Sie eigentlich erreichen?

Es gibt natürlich immer die Antwort "Alle". Aber in der Gruppe "Alle" gibt es bestimmte Menschen, die für Sie wichtiger sind. Sei es, weil sie diejenigen sind, die darüber entscheiden, ob Ihre Produkte oder Dienstleistungen gekauft werden. Sei es, weil Sie besonders schwer zu findende MitarbeiterInnen suchen. Sei es, weil Ihr Unternehmen den Bedarf einer ganz bestimmten Zielgruppe bedient... erst wenn Sie wissen, mit wem Sie eigentlich sprechen möchten wissen Sie auch, wo Sie überhaupt hin müssen.

Denn auch wenn praktisch noch gefühlt jede/r einen Facebookaccount hat: Sie wollen ja kommunizieren und dafür müssen Sie dort hin, wo ihre Zielgruppen mit ihren Peer Groups sprechen. Kids und jüngere Menschen sind nicht mehr auf Facebook, sondern immer genau dort, wo ihre Eltern gerade nicht sind und nutzen die Dienste, mit denen ältere Generationen nicht zurecht kommen. ArchitektInnen und IngenieurInnen haben keine Lust auf Small Talk und sind auf LinkedIn. BeraterInnen, Finanz- und Salesmenschen sind auf Xing (und man kann sich vor ihrem Small Talk kaum retten). Es gibt hinter den Timelines sozialer Netzwerke offene und geschlossene Gruppen, Messaging, Audio-Chat, Livevideo und so weiter. Wenn Sie nicht wissen, wer Ihre Zielgruppe ist, wissen Sie auch nicht, wo Sie hin müssen und was Sie nutzen müssen, um sie zu erreichen.

2. Über was wollen Sie reden?

In sozialen Medien gibt es jede Menge Content, der miteinander konkurriert. Daher wird Ihre Kommunikation gnadenlos ignoriert, wenn sie sich nicht an den Bedürfnissen derjenigen orientiert, die Sie ansprechen wollen. Dennoch pumpen Firmen blind ihre Pressemitteilungen auf LinkedIn, twittern Geschäftszahlen, posten unpersönliche Werbesprüche mit Stockfotos und Firmenlogos auf Facebook.

Ich habe vor einiger Zeit geschrieben, die wichtigste Internetwährung ist Relevanz:

Relevanz ist etwas großartiges. Relevanz kann man nicht bekämpfen. Gegen Relevanz kann man nicht konkurrieren. Wer sich um Relevanz bemüht, wird Fürsprecher, Multiplikatoren, Freunde und Fans gewinnen. (...) Relevante Inhalte erzeugen relevante Kommunikation. Relevante Kommunikation wird dann wieder helfen, herauszufinden, welche Inhalte man als nächstes benötigt und daher erzeugt werden sollten. Ein wunderbarer Prozess, wenn man ihn richtig aufgesetzt hat.

Wenn ich dorthin gehe, wo meine Adressaten sind und sie anspreche, muss ich mich auch direkt an sie richten, um eine Reaktion zu bekommen. Mit Inhalten, die sie betreffen und interessieren. Eigentlich logisch, passiert aber ausgesprochen selten.

3. Bin ich bereit für Konversation?

Wenn Sie was mit Social Media machen wollen, müssen Sie auch Social Media machen: Social Media ist Konversation, nicht Werbefunk. Ohne die Bereitschaft, einen Dialog einzugehen, machen Sie nur Werbung. Es wird aussehen wie Werbung, schmekcne wie Werbung und sich anfühlen wie Werbung. Und kein Mensch interessiert sich für Werbung.

Auch darüber habe ich schon mal geschrieben:

(...) Firmen wird ständig Gelegenheit geboten, sich in Konversationen einzuschalten. Menschen stellen Fragen, haben Beschwerden, kommen mit Vorschlägen auf sie zu. Diese werden aber immer noch ignoriert, was angesichts dessen erstaunt, dass sich soziale Medien seit 10 Jahren zumindest im Punkt, warum Menschen sich dort aufhalten, nicht geändert haben: Sie wollen sich vernetzen und miteinander interagieren. Auch mit Firmen und Service- und Produktanbietern.

Beginnen Sie Gespräche, schalten Sie sich in Gespräche ein. Überlegen Sie, wie Sie ihre Stories so erzählen, dass sie bei Ihrer Zielgruppe eine Reaktion erreichen. Interessieren Sie Sich dafür, was Ihnen Menschen antworten oder erzählen. Social Media heißt so, weil seine primäre Aufgabe ist, Socializing zu ermöglichen. Wenn Sie daran nicht teilnehmen können oder wollen, brauchen Sie gar nicht erst hin zu gehen.

Jens Scholz

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